Im folgenden beschreibe ich, wie man sich einen Snoot für einen Systemblitz für unter 10 € selbst bauen kann. Ich setze ihn an einem flash2softbox-Adapter von Sambesigroup ein.

Der Adapter von Sambesigroup
Eigenbau und gekaufter Snoot im Vergleich

Die Motivation einen Snoot selber zu bauen ist der doch recht hohe Preis von aktuell über 45 €. Herausgekommen ist schließlich eine Lösung die nicht nur wesentlich preiswerter ist, sondern auch noch bessere Ergebnisse liefert. Der gekaufte Snoot hat ein relativ kurzes Wabengitter welches man auch im Bild erkennt. Auch liefert er mit einem Systemblitz keinen runden Kegel.

Hier das Ergebnis mit dem gekauftem Snoot aus ca. 1,5 m Entfernung...
... und so sieht es mit dem Selbstbau aus

Der Bau ist nicht besonders schwierig und es kommt auch nicht auf den Millimeter an, man sollte aber nicht gerade zwei linke Händer haben. Man kann den Snoot in zwei Varianten bauen: eine wird, wie das Original mit drei Schrauben auf den Ring des flash2softbox-Adapters befestigt, die einfacher zu fertigende Variante wird statt des Ringes mit einer Schraube angeschraubt.

Werkzeug

Für den Bau benötigt man folgende Werkzeuge:

  • Feinsäge o.  Stichsäge
  • Bohrmaschine o. Akkuschrauber mit Bohrfutter
  • 100er Schmirgelpapier
  • (Holzraspel)
  • Eisenfeile
  • Schere
  • kleiner Pinsel
  • 7mm (Holz)Bohrer ¹
  • 6mm (Holz)Bohrer ²
  • Lötlampe ¹
  • Schraubzwinge o. Schraubstock ¹
  • Zange ¹
  • Spaxschraube o. Nagel ¹
  • Alte Holzleiste z.B. ein Viertelstab ¹

Die mit ¹ gekennzeichneten Werkzeuge benötigt man nicht für die einfache Variante, die mit ² nicht für die aufwendigere.

Material

An Materialien benötigt man.

  • HT-Reduzierstück 100mm-70mm
  • HT-Reduzierstück 70mm-50mm
  • Schwarze Strohhalme (Jumbo Version 8mm)
  • Silberlack (o. Alu-Folie)
  • Universalkleber
  • 3 Einschlagmuttern M5 ¹
  • 3 Sechskantschrauben M5 x 20mm ¹

¹ wird nicht für die einfache Variante benötigt.

Zu den Materialien: zentrale Komponenten sind die HT-Rohre, hierbei handelt es sich um meist graue Abwasserrohre aus Polypropylen. Benötigt wird ein Übergangsstück von 100mm auf 70mm und eins von 70mm auf 50mm. Man erhält sie in jedem gut sortierten Baumarkt. Die Rohre besitzen je einen Dichtring und können direkt ineinander gesteckt werden.

So sehen die verwendeten HT-Reduzierstücke aus

Die Fertigung

Zuerst wird das große Rohr gekürzt. Und zwar das Ende mit dem 100mm-Durchmesser, welches später am Ring des flash2softbox-Adapters befestigt wird. Das Rohr wird so gekürzt, dass etwa ein 30mm breiter Ring vom 100mm-Durchmesser stehen bleiben. Dafür eignet sich am besten eine Säge mit feinem Sägeblatt wie es zum Sägen von Metall benutzt wird. Achtet darauf, dass die Säge auch groß genug für das Rohr ist. Man kann, wenn man Übung im Umgang mit einer Stichsäge hat, das Rohr auch damit absägen. Auch hier am besten ein feines Sägeblatt benutzen und den Ring am Rohr anzeichnen, da man so rundherum sägen muss.

Nachdem man das Rohr gekürzt und eventuell mit einer Raspel die Schnittstelle begradigt hat wird die Sägestelle mit Schmirgelpapier entgratet und geglättet.

Führ die einfache Variante bohrt man nun mit dem 6mm ein Loch in den Ring auf der Seite die der 70mm Anschlußstelle gegenüberliegt. Bohrt das Loch ca. 15mm vom Rand entfernt. Am besten benutzt man dafür einen Holzbohrer, da dieser eine Zentrierspitzte hat und der Bohrer beim Bohren nicht wandert.

Ansonsten zeichnet man nun eine Aussparung für das rechteckige Mittelstück an dem 30mm-Ring an derselben Stelle an und sägt dieses mit der Stichsäge aus. Anschließend glättet man die Sägekanten mit Schmirgelpapier.

Das Rohr nach dem Kürzen und dem Aussägen der Aussparung

Nun folgt der heikelste Teil: Man setzt die 3 Einschlagmuttern ein. Einschlagmutter besitzen Dornen und werden in Holz eingeschlagen. In das HT-Rohr lassen sie sich jedoch nicht einschlagen, da dieses zu zäh dafür ist. Also schmelzen wie sie ein.

Handelsübliche Einschlagmuttern mit M5 Gewinde

Zunächst werden auf dem Ring Markierungen für 3 Löcher angezeichnet. Die erste Markierung macht man auf der Seite auf der sich auch das 70mm-Stück fortsetzt. Diese Seite ist beim fertigen Snoot oben. Die anderen beiden sind im Abstand von jeweils einem drittel des Umfangs anzuzeichnen. Der Abstand zu Sägekante sollte ca. 15mm betragen.  Nun werden an den Markierungen Löcher mit dem 7mm-Bohrer gebohrt. Am besten man benutzt auch hier einen Holzbohrer.

Nun kommt die Lötlampe ins Spiel. Die folgenden Arbeiten führt man am besten im Freien oder einer (offenen) Garage durch. Auf jeden Fall ist auf gute Belüftung und eine feuerfeste Unterlage zu achten. Ein Wasserhahn in der Nähe oder ein Eimer mit Wasser ist auch zu empfehlen. Man befestigt die Holzleiste so auf einer Unterlage z.B. einer Werkbank, dass sie ein paar Zentimeter hervorsteht. Nun nimmt man mit der Zange die Spaxschraube und stülpt eine Einschlagmutter so auf die Schraube, dass deren Dornen in Richtung Zange zeigen. Jetzt wird die Mutter in der Lötlampe erhitzt. Bitte glüht die Mutter nicht komplett durch, sobald sich schon ein wenig Rotglut zeigt, ist die Mutter heiß genug.

Nun setzt man die Mutter mit ihrer flachen Seite auf die Leiste, diese wird nun etwas anschmoren, was aber nicht weiter stört. Man nimmt jetzt das HT-Rohr führt es so über die Holzleiste, dass man durch das gebohrte Loch das Gewinder der Mutter sehen kann. Anschließend wird das Rohr auf die heiße Mutter gepresst. Die Dornen dieser schmelzen sich dabei in das Rohr und die Grundplatte sollte innen ganz anliegen. Um Verbrennung zu vermeiden kühlt man die Mutter nun mit Wasser ab.

Hier die Einschlagmutter auf einer Viertelstableiste...
... und wie sie das HT-Rohr aufgepresst wird

Dieses wiederholt man nun mit den beiden anderen Muttern und Löchern. Anschließend feilt man ggf. mit einer Eisenfeile die herausragenden Spitzen der Dornen ab.

Die fertig eingesetzte Mutter nach dem Abfeilen der überstehenden Dornen.

Man entfernt jetzt in beiden Rohren die Dichtungsringe und lackiert diese innen mit dem Silberlack. Alternativ kann man diese auch innen mit passend geschnittener Alu-Folie bekleben. Der 70mm-Teil des großen Rohres spart man dabei aus, da dieses beim Einstecken des kleinen eh überdeckt wird.  Das Lackieren ist ggf. ein zweites Mal zu wiederholen um eine hinreichende Deckung zu erreichen.

Während die Farbe trocknet, kann man nun die Wabenstruktur anfertigen. Dazu schneidet man die Strohhalme in 5cm lange Stücke. Sollte man keine Jumbo-Strohhalme bekommen, kann man auch die nur etwas dünnereren Caipirinha-Strohhalme benutzen. Normale Strohhalme sind aber nicht empfehlenswert. Ebenso sollte man keine bunten nehmen, da diese das Licht verfärben würden.

Ein Blick auf die Jumbostrohalme

Diese Stücke klebt man nun zusammen. Ich habe hier Alleskleber benutzt, möglich ist jedoch auch die Verwendung von Plastikkleber oder Heißkleber. Idealerweise klebt man die Stücke so zusammen, dass jeder von sechs anderen berührt wird. Zur Probe oder als Hilfe kann man die Dichtung des kleinen Rohres auf eine Unterlage legen und die Struktur darin stehend zusammenkleben. Am Rand wird eine gleichmässige Struktur nicht aufrecht zu erhalten sein. Dieses ist aber nicht weiter schlimm und wirkt sich nicht auf die Lichtführung aus. Der Einsatz aus Strohhalmen sollte mit etwas Reibung in den Ring passen.

Hier der Dichtungsring und ein fertiges Strohhalmpaket

Nachdem der Kleber trocken ist, setzt man zuerst die Dichtung in das Rohr ein und schiebt nun das Paket aus Strohhalmen hinein. Eventuell muss man die Halme am Rand dabei leicht zusammendrücken. Man schiebt es soweit hinein, bis es bündig mit dem Rohr abschließt. Der Dichtungsring sollte es nun gut festhalten und gegen heraus fallen oder herein rutschen sichern. Wichtig ist es, das kleinere Rohr nach innen gedreht in das größere zu stecken, so dass es sich in dessen Mitte befindet.

Das Ergebnis

Hier sieht man den fertigen Snoot im Einsatz am SB-800 von Nikon

Im folgenden gibt es ein paar Vergleichsbilder mit dem gekauften und dem selbst gebauten Snoot. Man kann deutlich den Unterschied sehen. Der Eigenbau erzeugt bei allen Entfernungen einen runden Lichtkegel. Der Übergang zu dunkel ist relativ hart. Der gekaufte Snoot ist hingegen nicht in der Lage einen Runden Kegel zu erzeugen, die Wabenstruktur spiegelt sich in der Beleuchtung wider, die Ausleuchtung ist oval und der Übergang zu dunkel ist weich.

Der Unterschied kommt im wesentlichen dadurch zustande, das die Wabenstruktur im Eigenbau mit 5cm dicker als im gekauften ist. Kürzt man die Strohhalme auf dasselbe Maß wie dort, erhält man ein ähnliches Ergebnis. Hier kann jeder nach eigener Lust und Laune experimentieren: einfach mehrere Reduzierstücke von 70/50mm kaufen und mit Strohhalmen unterschiedlicher Länge bestücken. Der Austausch gestaltet sich ja dank der Steckverbindung erfreulich einfach.

Eigenbau: Abstand 2m, Durchmesser ca. 95cm

Gekauft: Abstand 2m, Durchmesser ca. 133cm/95cm

Eigenbau: Abstand 1,5m, Durchmesser ca. 72cm

Gekauft: Abstand 1,5m, Durchmesser ca. 95cm/70cm

Eigenbau: Abstand 1m, Durchmesser ca. 48cm

Gekauft: Abstand 1m, Durchmesser ca. 68cm/48cm

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